Happy Families. Happy Planet.

Sehnlichst erwartet hatte ich die Nachricht. Auf Kohlen saß ich und übte mich dort in Geduld. Heute endlich teilte mir die wunderbare Nicola Schmidt mit:
Meine Prüfung ist korrigiert und mein Zertifikat ist auf dem Weg.
Ich bin Artgerecht-Coach, geprüft mit Brief und Siegel – und mit jeder Menge Freude!

wilde welt

Ein guter Tag für eine Retrospektive: Wie kommt eine zu artgerecht?

Rinn ins System und von inne uffmische.
Das ward die Losung, unter der ich zur Jahrtausendwende in einem Anflug von martialer Selbstüberschätzung und höllischer Naivität noch felsenfest daran glaubte:
Wenn ich erst einmal verstanden habe, wie man dieses grausame Vehikel, dieses hirnverbrannte, wahnwitzig selbstzerstörerische System fährt, dann kann ich auch die Richtung ändern.
Und sie zog aus, BWL zu studieren.
Nach einer ordentlichen Anhäufung oberflächlicher Mathe, schaler Theorie und einem Menschenbild, das reduziert ist auf die Maximierung des eigenen Nutzens allein, wurde mir langweilig.
Auf der Suche nach mehr Tiefgang und Weitsicht, setzte ich noch Philosophie und Ethik oben drauf.

Irgendetwas musste diese Spezies Mensch in dieser unserer Welt doch zum Frieden und zum Teilen animieren. Irgendetwas sollte doch zu finden sein, das nicht nur die Kassen weniger erfüllt, dafür aber die Herzen vieler… oder gar: Aller.
Empathie. Gesellschaftsverträge. Die ewige Suche nach dem heiligen Gral:
Ein erfülltes, glückliches und gesundes Leben.

Die Gespräche dieser Zeit habe ich so sehr genossen, haben so sehr inspiriert. Doch bleibt man als Philosophin unter Ökonomen eine Eigenartige. Die Ideen mag ein jeder gerne hören und das Herz sich etwas weiten lassen. Doch mit dem Morgenstern der Realität, dem ausweglosen Pragmatismus in der rigiden Welt von Politik und Wirtschaft, wie sie eben einmal ist, verpufft der Funken Hoffnung und verlacht werden die Ideen:
Kannste nix machen. Is ja schön und gut, aber ….

Nach wenigen Jahren in der Beratung von Unternehmen an unterschiedlichsten Stellen wurde mir Freund Frust ein treuer Begleiter.
Für echte Veränderung ist kein Platz im Meer von Starre und Trägheit, von Budgets und KPIs, von Bedenkenträgerei und „lief-schon-immer-so-und-hat-funktioniert“.

Es keimte die Frage in meinem Hirn:
Ist das System Unternehmen, seine Strukturen, seine Prozesse, vielleicht gar nicht der richtige Ort für Veränderung?
Vielleicht ist das der verkehrte Hebel!
Was, wenn Veränderung immer erst bei mir beginnt? Immer bei jedem einzelnen?

Gefragt, getan:
Es folgte 2009/2010 die Ausbildung zum systemischen Coach. Endlich befasste ich mich wieder mit Dingen, die mir wirklich wichtig erschienen.
Und die waren gar keine Dinge:
Das waren Werte, Glaubenssätze, Gefühle, Familienbande und andere Aufstellungen und die wunderbare Frage nach dem „Was wäre wenn…“
… wenn du morgen aufwachst und alle deine Themen, die dich so lange beschäftigt hielten und dich traurig aus dem Fenster haben stieren lassen, wären gelöst?!

So schön die Ausbildung war, so wenig krähte ein Hahn in meiner Berufswelt danach.
Aber so wenig, wie ich BWL studiert habe, um je einen teuer bezahlten Managerposten zu bekleiden, machte ich die Coach Ausbildung für irgendwen sonst als für mich und meinen Hirnfrieden.

Als ich schließlich 2013 erfuhr, dass ich schwanger bin, rief das all die existenziellen, tiefschürfenden Fragen wieder auf den Plan:
Was ist wirklich wichtig?
Welche Welt wünsche ich mir für mein Kind?
Was können wir da tun?

Und plötzlich sah ich mich mit deutlich pragmatischeren Themen beschäftigt als dem Weltfrieden:
Wo und in welchem Umfeld soll das Kind geboren werden?
Wie wollen wir schlafen?
Soll unser Kind tatsächlich den ganzen Tag irgendwo herumliegen? Sei es in einer Wiege, einem Bettchen oder einem Kinderwagen? Ist das nicht viel zu weit weg?
Können wir wirklich mit dem Müllberg leben, der aus 2-3 Jahren wegwerfwickeln entstehen wird?

Bei der Frage über Alternativen zu Wegwerfwindeln bin ich dann das erste Mal über das Artgerecht Projekt gestolpert: Windelfrei. Fand ich spannend. Aber ganz ehrlich: Unvorstellbar unpraktikabel für mich. In unserem Haushalt haben zunächst die Stoffwindeln es für sich entschieden.
(Ich sage „zunächst“, weil wir in der Zwischenzeit Windelfrei praktizieren – dazu aber an anderer Stelle mehr)

Doch das Projekt ließ mich nicht mehr los. Nicola und Julia haben ein so wunderbar ganzheitliches Konzept zur Unterstützung junger Eltern entwickelt: Das hat mich begeistert. Davon wollte ich Teil sein, das wollte ich teilen.
Eltern in diesen ökonomisierten Zeiten müssen wissen, dass sie und ihre Kinder so viel mehr sind, als bloße Konsumenten und Patienten.
Wir sind wilde Weiber, wilde Kerle und haben wilde Kinder. Lasst uns unsere Welt machen, wie sie uns gefällt!

Und das werde ich teilen:

Halt und Rat in Zeiten, die einem die Welt auf den Kopf stellen.
Kinder tun das zweifelsohne, mitunter bis zur Erschöpfung und Ratlosigkeit.

Inspiration und Impulse für ein erfülltes Leben: ein von Freude erfülltes, von Lachen und von Mut.
Denn manchmal erscheint es einem Trist, die Dauertönung anstrengend und die eigenen Kräfte endlich.

Hoffentlich alsbald ein Netzwerk, einen Clan, eine Horde von Menschen, die ähnlich ticken, die gleiches wünschen, die miteinander artgerecht leben möchten. Menschen, die teilen und sich gegenseitig bereichern.

In diesem Sinne schließe ich heute mit dem Songtext meines All-Time-Favorites „Hoffnung“ von Slime: Alles hat Sinn, Leute, alles hat Sinn!

Ich greif‘ einen Funken Hoffnung
Seh‘ den Strahl, wie er wächst
Jedes Glitzern kann sein wie ein Lied
Gestern ist fort
Morgen ist hell
Zehnmal nein, einmal ja
Dem, was geschieht
Verkehrtrum im Regen
Allein in der Stadt
Außer mir niemand zu sehen
Ich bau‘ einen Gedanken
Und etwas scheint klar
Wo gestern noch nichts zu sehen war
Am Ende steh‘ ich am Anfang vom Kreis
Und zähl‘ die Zeit hinter mir
Wie oft bin ich weit weg gewesen
Und wie oft war ich schon hier
Bin keine Schlange, häute mich nicht
Und wenn ich Dinge anders seh‘
Dann liegt das nicht an der veränderten Welt
Sondern es kommt drauf an
Wo ich steh‘
Alles drin
Alles hat Sinn
Alles hat Sinn
Alles

 

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