Werde dir selbst gerecht, wirst du deiner Art-gerecht

mein name ist mensch

Meine Art: Mensch.

Meine Frage: Was wird mir als Mensch gerecht? Welches Leben? Welche Umstände?

Unsere Art ist komplex gestrickt wie keine andere, hat sich rasend und höchst unterschiedlich entwickelt und kennt mindestens so viele Wahrheiten wie Individuen.

Den lieben langen Tag lang geht es um die Bedienung von Bedürfnissen – essenziellen und industriell kreierten – und das mehr oder weniger friedvolle Austarieren selbiger zwischen mehr oder weniger Beteiligten: Zwischen mir und mir, mir und meiner Familie, Familien, Unternehmen, Gemeinden, Städten, Staaten, der Erde.

Dieses Austarieren erfolgt mittels Kommunikation. Größtenteils unterschwellig über Mimik, Gestik, Ton und Nase, schillernd gefärbt von wohl gepflegten Glaubenssätzen und Werten, aktuellen Befindlichkeiten und akuten, explosiven Emotionen. Die eigentliche Sachbotschaft ist dick in „ich meinte aber doch…“ verpackt, oftmals gut versteckt hinter der multiplen Interpretation dessen, was ich selbst meine zu brauchen, was ich erwarte zu bekommen und was zu sagen sich schickt.

Was am Ende meinen Mund verlässt, geschweige denn, was davon beim anderen ankommt, folgt dem Flüsterpostprinzip:

Rein geht „Extrakalifragilistischexpialigetisch“, raus kommt „Der Kalli fragt, ich sag, das geht nicht.“

Ich stelle hiermit munter wilde Thesen auf, die ich eventuell an anderer Stelle in diesem Leben einmal validiere.

  1. Artgerecht leben setzt voraus, zu wissen, was ich brauche, was mich bewegt
  2. Artgerecht leben setzt voraus, wenigstens interessiert daran zu sein, was andere und die Welt bewegt und schließlich
  3. Irgendwie einen Weg finden zu wollen, friedlich bei größtmöglichem Grad an Glück und Freude zusammen zu leben

Los geht`s:
Wenn ich mal alle Angst und Sorge um jedwede Unzulänglichkeit meinerseits und um mein nacktes und materielles Überleben in eine Box stecke und – wenigstens vorübergehend – einmotte, was bleibt dann?

Mach das mal. Winke zum Abschied freundlich Servus und schau hin:
Was jetzt noch da ist, ist das, was für dich wirklich zählt.

Ich erlaube mir, zu behaupten, dass die Quintessenz aus allen Menschenleben, die nicht mehr ums bloße Überleben kämpfen müssen, sondern die Zeit und den Luxus genießen, sich über das hier Gedanken machen zu dürfen, der Wunsch nach einem erfüllten Leben ist.

Mein persönliches erfülltes Leben ist voll von Glück, Gesundheit, Liebe, Freude, Frieden und Gemeinschaft.

Deines mag ganz anders aussehen. Gut! Bitteschön. Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Jetzt wirkt mein artgerechtes Leben, so wie es bisher beschrieben steht, schön rosa-plüsch verblendet mit Glitzer drauf.
Es schwebt das Ideal „Barbara Utopia“ über einer Horde von alltäglichen kleinen, mittelgroßen und monströsen Konflikten.

Ich persönlich hab da einen ganzen Sack voll Konflikten meine Bedürfnisse betreffend mit hinreichend Potenzial für Kollateralschäden aller Art. Ich bin ja schon froh, wenn ich mir mal selbst zuhöre, bevor meine Reaktionen fein kategorisiert und in ungefiltert unreflektierten Gewohnheitsausbrüchen ausgeteilt werden.

Hyperventil statt tief Durchatmen und Strohfeuer statt Herdwärme.

Je weniger gut ich mich fühle, desto wüster werden die Auswüchse meiner Wahrnehmung und Kommunikation.

Kleines Beispiel gefällig?
Ich hab gefühlt zu wenig Zeit für mich. Störrisches Wesen, das ich bin, verrate ich das aber niemandem. Ich halte weiter durch und es nervt mich zusehends. Mein Mann hat nicht die leiseste Ahnung, was mich nervt und mein Sohn kann das schon gar nicht einordnen. Mein Geduldsfaden mutiert zur Zündschnur und die Falte über meiner Nase macht mich auch äußerlich zur Grummelkuh. Nix klappt mehr. Keiner versteht mich. Alle machen, was sie wollen. Und wo bleibe ich?!

Wem kommt das bekannt vor?

Ergo: Je weniger ich auf meine Bedürfnisse achte und bereit bin, diese (friedlich) mitzuteilen, desto weniger fähig bin ich, dieses so von mir gewünschte rosa-plüsch-Glitzer artgerechte Leben zu schaffen.

Frauen, Partnerinnen und Mütter! Gören, Herzchen und Wilde Weiber!

Und ihr Männer! (Lasst uns niemals unsere guten Männer vergessen! Entschuldigt, wenn ihr hier nicht immer explizit erwähnt seid. Ihr leistet Großartiges!)

Natürlich ist es wichtig, dass es unseren Kindern gut geht. Und unseren Partnern. Unseren Familien. Unseren Freunden. Unseren Arbeitgebern und Kollegen. Die ganze Welt hat unsere Aufmerksamkeit verdient und will gerettet werden!

Nur wenn ich am Ende meiner Kräfte ausgezehrt vor mich hin wimmere, gerade noch fähig, den Tag zu überstehen… oder wüte, grummle und innerlich zerberste… wer rettet sie dann, die Welt?!

Frei nach Sears: Ein gestilltes Bedürfnis ist ein abgelegtes Bedürfnis.

Stell dir vor, du verbringst jeden Tag ein bisschen mehr Zeit damit, aufmerksam deinen eigenen Bedürfnissen und denen deiner nächsten zu lauschen, versuchst, sie je ein bisschen besser zu verstehen und gehst ihnen mit offenen Armen entgegen.

Denn: Am ausgestreckten Arm stillschweigender Erwartungshaltung ist schon manch einer verhungert.

Atme tief ein.

Und dann weit wieder aus.

Nochmal.

Und nochmal bitte.

Und jetzt leg los! Bei dir, bei deiner höchst eigenen hübschen Nase, deinem wunderbaren und unschätzbar wertvollen Herzen.

Nochmal kurz und knackig zum Abschluss:

Artgerecht ist der gepflegte Austausch über unser Wohlbefinden und die Bereitschaft, füreinander und für uns selbst (!) da zu sein um miteinander und füreinander ein erfülltes Leben zu schaffen.

 

Anleitung zum persönlichen wie-auch-immer-dekorierten Utopia:

  1. Gib dir die Erlaubnis, dich gut zu fühlen und räume dir das Recht auf dein eigenes kleines und feines rosa-plüsch-Glitzer-Utopia ein
  2. Womit willst du dein Leben füllen, damit es ein erfülltes Leben ist? Finde es heraus und mach es voll!
  3. Gesteh dir ein, wenn dein Leben gerade irgendwie leer und trostlos scheint oder dir hier gerade etwas stinkt und du mal gut und gerne Unterstützung oder wenigstens ein offenes Ohr gebrauchen könntest
  4. Sprich! Teile dich mit! Sammle die Leute um dich, mit denen du dich austauschen kannst – im Grummelkuhstatus genauso wie in rosa-plüsch-Glitzer-Utopia. Und wenn du gerade mal so tief drinsteckst, dass du meinst, du könntest mit keinem dir bekannten oder vertrauten Menschen sprechen: Such dir jemanden außerhalb deines Wirkungskreises, jemand Unbetroffenen, Unabhängigen.

 

Konflikte wird es auch weiterhin geben. Und das ist gut so. Sie sind genau die Gelegenheiten, deine Sinne zu schärfen, deine Position zu hinterfragen, Austausch zu fordern und zu wachsen.

Mal ausrasten, bocken, Fehler jedweder Art machen und dann entschuldigen gilt auch.

Lass es dir gut gehen!

Grüße aus Grummelhausen am Strohfeuer links des Zündschnurbaches im Herzen von rosa-plüsch-Glitzer-Utopia.

Her mit dem schönen Leben!

Eure Barbara

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s