Drei die auszogen… … um woanders einzuziehen

oder: NIEMALS ziehe verabschiedungswürdig weit weg von lieb gewonnenen Menschen, solange du noch stillst. NIEMALS.

Ein Kraftakt, der seinesgleichen suche, ist hiermit getan.

Ich fasse mal in Kürze zusammen, was langsam und bedächtig anfing sich zuzuspitzen.

Weihnachten 2014. Wir beschließen unseren Auszug aus der schwäbischen Landeshauptstadt und lassen uns dafür Zeit bis Dezember 2015. Alles easy, ist ja noch ein ganzes Jahr Zeit.

September 2015. Wir fangen dann mal langsam an: Die Tapeten im Haus kommen runter, das Schlafzimmer wird gestrichen, das Kinderzimmer wird von meinem Mann tapeziert. Merke: Tapezieren ist der totale Krampf. Machen wir nicht mehr…
Ich komm hier zu nix mit dem Lütten. Mann schafft tapfer, beste Freunde springen ein!

Oktober 2015. Eine knappe Woche zur weiteren Renovierung im Haus. Wohn-Essbereich fertig. Wir streichen auf Putz. Haben uns gemerkt, was für ein Krampf tapezieren ist.

Immer noch Oktober. Familienausflug nach Köln. Ich lerne artgerecht, Mann hat haufenweise Zeit mit Sohn. Finden wir alle großartig! Wie genau ich es geschafft habe, in Vorbereitung auf die Präsenzwoche seit Sommer 11 Bücher zu lesen: Was weiß ich, fällt unter Stilldemenz.

November: Renovierung, die letzte. Dran ist die Küche und die wird gmpf t-a-p-e-z-i-e-r-t. Krampf. Aber diesmal darf ich wenigstens auch mal was schaffen. Übelster Krampf. Machen wir nicht mehr.

November, Ende. Ich lernhungriges Ding werde zertifizierte Trageberaterin.

Countdown läuft. Von jetzt nur noch zwei Wochen bis Umzug.

7,5-Tonner ist gemietet, Kisten sind geordert. Hunderteinundvierzigtausendzweihundertachtundsechtzig Kleinigkeiten von der Kündigung bis zum Nachsendeauftrag sind erledigt.

Neun Tage vor Stichtag Umzug geht’s auf einmal rund.

Lütte zahnt.

Lütte hat einen Fieberzustand erreicht, den ich bei ihm noch nicht erlebt habe. 24 Stunden Notfalleinsatz Kuscheln und Stillen. Fieber weg. Ausschlag da. An den Händen. Am Mund. Am Fuß. Verdammt.

Zwei Tage vor dem geplanten Verabschiedungskaffekränzchen unter Freunden rufen wir die Quarantäne aus. Nur die ganz Mutigen – die mit großen Kindern oder ohne – trauen sich. Ich heule.

Da fing das an: Heul. Heul. Heul. Heul. Prolaktin. Oxytozin. Verabschieden. Heul. Unvermittelt, unberechenbar, dammbruchartig. Zu zuckersüßen Videos, weil ich mich erschrecke oder einfach so. Heul.

Ein Tag nach der geschrumpften Verabschiedungsgesellschaft lege ich mich gepflegt mit 40 Fieber ins Bett und bleibe da, zu nichts fähig außer zum Schlafen. Es braucht mich satte drei Tage, bis ich auch nur annähernd wieder zu etwas zu gebrauchen bin.

In der Zwischenzeit leistet mein Mann Enormes! Er kümmert sich liebevoll Tags wie Nachts um einen zahnenden Mini. Er packt Kisten. Er organisiert den Sperrmüll. Er pflegt mich.

Ich hab schon alle Felle schwimmen sehen. Der Umzug muss verschoben werden. Ich bin hier zu nix nütze heul

Und wann und wie soll ich mich denn jetzt von all meinen Freunden verabschieden?!

Jetzt – fünf Tage später – sitze ich im Haus. Auf der Couch. Es wirkt schier wohnlich. Das liegt vor allem daran, dass das Bücherregal in voller Pracht dasteht.

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Ich habe mich ausreichend verabschieden dürfen. Wir hatten hier wie dort fantastische Helfershände, die uns die Wohnung leer geräumt, den 7,5-Tonner bis unters Dach vollgepackt und das Haus voll gestellt haben.

Seit heute sind wir drei nun offiziell und beglaubigt Sander.

Habe heute das erste Mal in meinem Leben einen Weihnachtsstern gekauft. Mit Goldglitzer.

Mir graut jetzt vor nix mehr.

Frohe Adventszeit und gute Nacht.

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