Werte wandeln Ansichtssache

Was meinst du ändert sich leichter
Ein Stein oder deine Ansicht darüber?

Bertholt Brecht

In einer ökonomisch rational verwerteten Welt voller Konventionen und Funktionen kann es einen schon mal etwas kosten, kompromisslos die herz-eigenen Werte zu formulieren.

In einem Jahrzehnte lang gelebten Leben steigt man aus gewohnten Ansichten und trainierten Glaubenssätzen nicht einfach so aus. Oder?

Oft steh ich als großgewordenes Ök-Spießer-Punk-Ethno-Mädchen mit Mittelstandshintergrund ganz schön da auf freier Flur und staune.

Wünsch mir noch so vieles anders als die starren Systemstrukturen es vorsehen. Pendle in deutschen Landen zwischen Bürgerin und Freiheitsliebender. Wirtschaft, Bildung, Politik – ich würd es gern Realsatire nennen, wäre es nicht so unglaublich grausam, starrsinnig und traurig. Was einem Gundel nicht alles vorgaukelt, das wir brauchten um jeden Preis:

Urlaub, all inclusive, aber wenigstens mehrmals im Jahr

Häuschen mit Garten

Zwei Autos Marke Made in Germany

3-sprachige Frühförderung der unter 1-Jährigen in ganztägiger Fremdbetreuung

Einen Lückenlosen Lebenslauf

Einen 5-Jahres-Plan

Auf jeden Fall eine Karriere

Eine Rente, besser privat oder geriestert…

…und einen festen, unerschütterlich naiven Glauben daran, dass sich das auszahlt.

Und eines Tages zieht man mit einem Mal seine erstrebenswerten Werte, wie Sicherheit, Erfolg, Anerkennung, Erholung in Zweifel. Sieht, wie sie vielleicht im als Karriere getarnten Hamsterrad verschwimmen und seine Familie zerfallen. Plötzlich ist man ausgezehrt und energielos für all die Dinge, die einem nahe und lieb sind. Schleichend ist das Leben an einem vorübergezogen und vergnügt sich woanders, während man müde in sein abendliches Glas Wein starrt.

Absolut relativ und legitim sind alle möglichen Werte, keine Frage. Und ich würde geradeheraus lügen, würde ich behaupten, sie genannten tangierten mich nicht.

Aber in die Waagschale geworfen sind das ganz schön harte Brocken, schwer verdaulich, angepasst und herzzerreißend mehr den erhebend, luftig leicht und Frohsinn weckend.
Eine ganze Horde angepasster Verpflichtungen haben sie im Schlepptau.

Geackert muss werden, von früh bis spät und von Montag bis Samstag bis zur wohlverdienten Rente. Hauen und stechen sollte man können, Masken fertigen und tragen auch und die Erholung kostet Wellness oder ein psychologisches Gutachten.

Und was sind jetzt die besseren Werte?

Ha! Das kann und will ich so nicht sagen. Denn um besser oder schlechter geht es nicht.

Es geht ganz ausgenommen ausschließlich darum, womit ich mich gut fühle.

Denn ob du wirklich richtig stehst, siehst du wenn das Licht angeht. Das wohlig warme Licht an der Stelle, wo dein Herz sitzt.

Und dann dreht sich vielleicht immer noch alles um Sicherheit.

Die wird dann nur nicht mehr definiert vom Bankkonto und der lebenslangen Festanstellung, sondern von einem unumstößlichen Vertrauen ins Leben und der Gewissheit, dass ich immer mehr als genug von all dem haben werde, was ich für mein körperliches und geistiges Wohl brauche.

Erfolg hat dann auch einfach nichts mehr mit der Karriere und dem lückenlosen Lebenslauf zu tun, sondern mit einer mutigen Enscheidung wider die gängigen Konventionen andere Wege zu gehen.

Anerkennung benötige ich nicht mehr von Freund und Feind, Chefs und Kollegen. Mich selbst anzuerkennen mit all meinen Bedürfnissen ist mein Schlüssel zum Glück.

Und Erholung finde ich nicht mehr im Wellness-Club-Abenteuerreise-Urlaub, im Manager-Spa und im Last-Minute-Yoga sondern in jeder Lücke zwischen dem Ein- und dem Ausatmen, im Vogelgezwitscher, wenn der Tag beginnt, und in den Augen meiner Liebsten.

Denn was ich wirklich wirklich will, das ist nicht West-Welt ökonomisch wertvoll, was ich wirklich will, daran passt kein Preisschild.
Was ich wirklich will, das sind Herz, Sinn und Verstand, das sind Liebe, Gesundheit und Freude. Jetzt! Und nicht erst mit Eintritt ins Rentenalter.

Ich glaube unerschütterlich daran, dass sich das in unzählig mehr Sicherheit, Erfolg, Anerkennung und Erholung auszahlt, als alles Geld der Welt das je könnte.

Also:

Was meinst du ändert sich leichter
Ein Stein oder deine Ansicht darüber?

Bertholt Brecht

Das Wort zum Montag. Ende.

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